Schon
lange spielten wir mit dem Gedanken mit diesem Urgestein der
deutschen Dj- und Hip Hop Kultur mal ein paar Worte zu wechseln. Nun
ergab es sich, dass wir Mirko Machine ein paar Fragen stellen konnten.
Eindeutige Antworten, die ohne viel Bla, Bla, Bla direkt auf den Punkt
kommen, versprechen ein ehrliches und sehr interessantes Interview zu
werden. Mirko Machine Style, aber lest selbst:Welche
besonderen Erlebnisse hast du in deiner Laufbahn erlebt, die dich zum
einen zu dem machen Dj machen der du heute bist und zum anderen die dich
besonders geprägt haben. Vielleicht auch ein paar Eindrücke, die du auf
Reisen nach New York oder anderen Ländern gewonnen hast?
Hmm, also geprägt hat mich in erster Linie die Zeit aus der ich komme,
das ich schon immer meinen eigenen Kopf hatte und mich nie von anderen
großartig beeinflussen lassen wollte. If i don’t feel that shit i don’t
like it. Mixen hat mich z.B. die ersten Jahre gar nicht interessiert. Ich
wollte nur scratchen und Backspins machen und für die B-Boys & Mc’s die
Platten bzw. Breaks aufcutten. Clubdjing war einfach für mich weit weg und
langweilig. Die meisten meiner Platten habe ich im Laden gekauft und auch
dort als erstes gehört oder bei Kollegen. Ich habe in nur ganz wenigen
Fällen als erstes das Video gesehen. Das ist halt auch sonne Sache, man
hört Musik und sieht sie nicht. Dadurch hab ich natürlich meinen Geschmack
sehr geprägt. Heute kann dir ein freshes Video mit viel Tara oder ein
paar nackten Weibern halt schon gut weiter helfen. Es muss ja nur etwas im
Gedächtnis
bleiben, wenn es nicht der Song ist.
Ich habe bei den
Leuten, mit denen ich zusammengearbeitet habe immer meinen Standpunkt
vertreten, meine Ideen mit eingebracht, wenn es um Liveshows ging, die Platten dafür rausgesucht und gesagt welche Lieder ich nicht spielen
möchte. Und so wurde das dann auch immer gemacht. Irgend ein Land in das
ich gereist bin, kann ich jetzt nicht so sagen, dass es mich in dem was ich
so mache geprägt hat. NY hab ich noch zu einer relativ freshen Zeit kennen
gelernt und halt meine Connections weiter ausgebaut. Darum war auch Spax
z.b. damals bei Payday und hat Showbiz getroffen, weil wir mit einem Freund
von mir aus NY zu Payday gegangen sind, da der Typ auch noch jemanden da
unterbringen wollte. Showbiz saß nebenan hat mir ne Testpressung von Day
One gegeben, abends haben wir ihn wieder getroffen und er hat halt
meinen Song von der ersten Maxi gehört. Darauf hin wollte er nen Rmx für
uns machen.
Als einer der Dj’s in Deutschland, der, so denke ich, eine
Ikonenstellung einnehmen kann erzähle mir bitte aus den Augen von Mirko
Machine wie du den derzeitigen Stand der Hip Hop Landschaft betrachtest.
Wie siehst du die qualitativen Level der Bands, Mcee’s und Dj’s?
Also hier in Deutschland ist ja das Level von Graffiti und B-Boyin schon
lange sehr hoch. Erst vor kurzem hat mir ein Freund von der Westküste
erzählt das sie Graff und B-Boy mäßig stark von Europa beeinflusst sind.
Gegen die Beats kann man gar nicht mehr so meckern, denn es gibt ne ganze
Menge
Leute die sehr freshen Shit beatmäßig machen. Z.b. The Real Dj Real, mein Homie aus Oldenburg, macht echt dopen kram und das sag ich nicht, weil die
Typ ein Freund von mir ist.
Die Mc’s reden mir immer noch zuviel Bullshit. Ich will jetzt niemanden
die Schuld für irgendetwas geben, aber diese Ego Fratzen haben schon gut
dazu beigetragen, wie die derzeitige Lage heute ist. Ich und auch einige
meiner Kollegen sind schon lange der Meinung „halt die Fresse wir machen
instrumental Musik mit ein paar Cuts“. Es gibt höchsten ne handvoll, lass
es zwei sein, die wirklich freshen Flow haben.
Viele werden einfach überschätzt.
Die ganzen Band’s sind schon sone Sache für sich. Es gibt im Moment
niemanden, der mich hier in Deutschland beeindruckt, wie er seinen
Auftritt macht. Entweder wollen sie so fresh und musikalisch sein und
nehmen sich ne Band mit auf die Bühne (WARUM??) seit ihr alleine nicht
fresh genug? Oder sie kommen immer noch auf die Nummer sicher Nummer mit
dem DAT. Bäh….. das beeindruckt mich echt überhaupt nicht.

Als wir uns kurz beim Splash begegneten, trafen wir uns gerade beide im
ITF Zelt, in dem die deutsche Meisterschaft ausgetragen wurde. Wie
beurteilst du die Entwicklung des Nachwuchses?
Die Dj’s sind hier super dope geworden, was die ganze Turntablizm
Geschichte angeht. Es gibt so viele gute Scratcher mittlerweile. Wenn ich
da nur an Man at Arms und M-Tech denke, Respekt. Es wird einfach mehr auf
Musik geachtet und nicht nur Technik. Sehr schön
Wie ist deine Antwort auf die Frage warum man in der Zeit von
95-97 so ziemlich alles kaufen konnte und heutzutage doch ein paar Minuten
mehr im Plattenladen stehen muss, um gute Platten auszusuchen. Wieso hat
sich das so entwickelt, abgesehen davon, dass ab 97 so ziemlich jeder
einen Deal mit nach Hause nehmen konnte. Siehst du einen positiven Weg aus
dieser Entwicklung oder wird es sich einpegeln, dass Hip Hop doch eine Art
Pop Musik wird und Leute, die Hip Hop Musik in 10 Jahren kennen lernen,
nur noch Jiggy als diese sehen und gar nicht mehr wissen, dass es neben
dieser Auswucherung noch anspruchsvollen und intelligenten Hip Hop
gab/gibt.
Pop Musik ist es längst geworden. Zumindest was im TV rauf und
runterläuft. Es gibt aber trotzdem genügend Leute dich sich damit auch
tiefer beschäftigen und einfach suchen, was es noch so gibt. Es wird immer
die Konsumenten geben und das sind halt die Leute die glauben, dass sie
Musik fühlen, aber im Endeffekt sich vom Fernsehen verarschen lassen.
Schlimm sind natürlich auch die Typen, die immer ihre Fahne in den Wind
halten, damit sie im Gespräch bzw. auf der Mattscheibe bleiben. Aber da
sind wir uns doch einig, dieses Verhalten ist zum Scheitern verurteilt. Die Jiggy Nummer wird auch wieder vorbei gehen. Als nächstes wird halt Reggae
total ausgeschlachtet und ausgesaugt. Pass mal auf, wer seine Beats dann
so macht Geroe, wenn der Geruch des Geldes kommt, werden halt leider viele
Leute schwach und merken zu spät, das sie nicht mehr die Zügel in der Hand
haben. Wer sich und seiner Linie treu bleibt, ist im Endeffekt der Sieger.
Es wird immer zwischendurch jemanden geben, der mit freshm Stuff
überraschen wird. Es ist eine Frage des Styles. Und Style haben sowohl
hier, wie auch in den USA, nicht viele.
Als ich vor einer Weile mal darüber nachdachte wie eigentlich die Hip
Hop Stile sich früher unterstützten und dadurch ein ständiger Kontakt
vorherrschte, fragte ich mich wieso es sich in den vergangenen Jahren so
differenzieren konnte. Ich meine früher gab es die Maler, ohne die ein
Cover eines Mixtapes oder einer Platte doch nicht wirklich ins Auge
fielen. Qualität unterstützte Qualität. Wieso, frage ich dich, haben sich
diese Wege der einzelnen Stilrichtungen so auseinander gelebt. Natürlich
nur wenn du diese Ansicht teilst. Wenn ja, siehst du dies als natürlich
Prozess an?
Es gibt ja viele Maler, die mittlerweile mehr in die Grafik gehen. Das
Cover geht vielleicht von der typischen Blackbook Zeichnung weg, aber
werden doch viele Sachen schon von Writern, oder ehemaligen Writern
gemacht. Zumindest hier in Hamburg.
Auf der anderen Seite ist es natürlich auch so, das sich viele Musikleute
nicht wirklich damit beschäftigen, was da noch so um sie herum passiert.
Wie oft haben wir einen Rapper auf der Bühne hören sagen 'ey die Breaker
da, hört mal auf zu tanzen ich trete jetzt auf'. sie sind so mit sich
selber beschäftigt, das sie nicht wissen, dass ihre angeblich guten Freunde
mittlerweile die halbe Stadt gebombt haben… sehr oberflächlich. Das ist eh
ein Manko dieser Szene.
Dann ist es so welcher Rapper gibt einem ein 'wir' Gefühl? So etwas habe
ich lange nicht gehört. Es gibt in Deutschland heutzutage keinen der über
Graffiti oder B-Boys rapt. Also selber Schuld….
Da du auch natürlich weiterhin konstant am reisen bist, kannst du wohl
einige Städte und deren Publikum miteinander vergleichen. Wie
unterscheiden sie sich aus deiner Perspektive und in welchen Sachen siehst
du durchaus Parallelen?
Es geht, glaub ich, gar nicht um die Stadt, sondern eher um die Location.
Ist man in soner Bumsbude gelandet, wo der Dj keine Skills hat, nur die
Fernsehhits am besten 3-4 mal am Abend spielt und man mit nem freshen Hip
Hop Set kommen will, wo klar ist das man nicht jeden Song kennen wird, ist
es oft zum scheitern verurteilt. Die Leute haben keinen Bock drauf... das
typische „hast du auch blank“ Publikum. Eminem oder 2pac?.... neee?
Aber Justin Timberlake?.... hahahahaha
Man kann schon sagen das die zum Teil kleineren Städte und weite Flächen
vom Osten doch eher fresh sind, weil sie nicht so verseucht und gesättigt
sind, wie z.B Stuttgart. Das ist mit Abstand, in meinen Augen, die
schlimmste Stadt die es in Deutschland gibt.
Da du gerade dein zweites Mixtape aus der Maschinenraum Tape Serie
veröffentlicht hast, möchte ich gerne wissen, nach welchen Kriterien du
dir die Trackliste zurechtgelegt hast und ob die Serie in nächste Runden
gehen soll?
Maschinenraum ist halt der Name von meinem lab. Ich mix halt viel
platten bei mir zu hause zusammen und schau immer was am besten passt und
wo ich gerade richtig Bock drauf habe. Kommen gerade 4 freshe Scheiben
raus und dazu passen noch die Scheibe von 86 und die von 93 dann sind sie
mit drauf. Nur ein Tape mit den neusten Sachen aufzunehmen turnt mich
nicht an. Man soll ein Tape cool hören können und es soll nicht
langweilen, was man bei vielen neuen Produktionen dann leider nicht
behaupten kann. Sie kommen vielleicht 5mal gut und dann nervt der Song
doch eher. Als nächstes kommt MachineGunBreaks ein Tape mit Originalen.
Nicht nur, "guck mal welche Samples ich alle habe", sondern es geht um freshe
Musik. Danach kommt The Golden Area und Subway Sounds steht noch an. Bei
den beiden Letzten spricht der Name wohl für sich was da drauf sein wird.
Auf deinem Tape wurde zum Beispiel auch Broke gefeatured, wird es
vielleicht in Zukunft noch mehr Sound von euch beiden geben?
Auf jeden Fall, wir wollten das Tape auch erst zusammen machen. Wir haben
die erste Seite bei ihm aufgenommen. Er hat die Scratches auf den Format
Beat gemacht und die Transformer über den Break nach rjd2. dann musste ich
wieder weg. Den Rest hab ich dann fertig gemacht, weil ich genügend Stuff
und Ideen gerade hatte, die da unbedingt drauf mussten.
Wer von euch wird welchen Part bei euren nächsten
Projekten besetzten? Werden vielleicht auch andere So What! Mitglieder auf
den zukünftigen Produktionen zu hören sein??
Wer was das nächste Mal macht, steht noch nicht fest. Das passiert eher so
aus dem Bauch heraus. Wir sind nicht die Jungs die alles mit nem derben
Plan machen. Es wird gecheckt was gut klingt, was Sinn macht und dann wird
geschaut wer was machen kann und dann wird RECORD gedrückt. Das wäre schon
cool, wenn die Anderen auch mal mit drauf wären, aber das ist halt immer
etwas problematisch. Dafür wohnen wir dann doch zu weit auseinander.
Wie muss man sich eigentlich generell So What! vorstellen, da ihr ja doch
schon einige Kilometer auseinander wohnt und jedes Mitglied für sich auch
ein gefragter und somit viel beschäftigter Dj ist.
Meistens ist es so, wenn wir zusammen irgendwo hinfahren, treffen wir uns
ein zwei Tage vorher, wenn es geht und dann wird geschaut. Ansonsten sind
wir eher so freestyle mäßig unterwegs.
coming soon
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